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Zeit um, Ziele erreicht?

15 Jahre für 8 Ziele

September 2000:
Die Regierungschefs von 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen beschließen die Millennium-Entwicklungsziele. Diese sollen bis zum Jahre 2015 erreicht sein.

September 2015:
Die Zeit ist um. Waren die vergangenen 15 Jahre ein zu kurzer Zeitraum um die Ziele wirklich zu realisieren? Hat sich vielleicht doch das Ein oder Andere im Hinblick auf die gesetzten Ziele getan?

Die Ziele:

Quelle: www.one.org

Ziel 1: Bekämpfung von extremer Armut und Hunger
Die Zahl der Menschen, die hungern und oder von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen, soll bis zum Jahr 2015 um die Hälfte reduziert werden.

Ziel 2: Grundbildung für alle
Grundschulbildung soll bis zum Jahr 2015 für alle gewährleistet werden.

Ziel 3: Gleichstellung der Geschlechter / Stärkung der Rolle der Frau
Die Benachteiligung von Mädchen bei der Grundbildung soll bis 2005 und in allen anderen Bildungsbereichen bis 2015 beseitigt werden.

Ziel 4: Senkung der Kindersterblichkeit
Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren soll bis zum Jahr 2015 um zwei Drittel verringert werden.

Ziel 5: Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern
Die Sterblichkeitsrate von Müttern soll bis 2015 um drei Viertel reduziert werden.

Ziel 6: Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten
Die Ausbreitung von HIV/AIDS, Malaria und anderen übertragbaren Krankheiten soll gestoppt und eingedämmt werden.

Ziel 7: Ökologische Nachhaltigkeit
Der nachhaltige Schutz der Umwelt soll gesichert werden.

Ziel 8: Globale Partnerschaft für Entwicklung
Eine globale Partnerschaft für Entwicklung soll aufgebaut werden.

Die Ziele 1 bis 7 nehmen die Entwicklungsländer in die Pflicht, die angestrebten Verbesserungen zu erzielen. Ziel 8 richtet sich an die Industrienationen, welche ihre wirtschaftliche Macht nutzen sollen um einen Ausgleich zwischen den Industrieschwachen und -starken zu schaffen.

Wurden die Ziele nun realisiert?
Ich beantworte diese Frage nun mit Hilfe der statistischen Daten und meinen persönlichen Erlebnissen.

Ziel 1 -> Ja

Referenzgröße 1990: 47 %
2015: 14 %

Dennoch sterben rund 20.000 Menschen täglich an den Folgen von Unterernährung.
Es gibt immer noch viele Menschen die mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen müssen. Denke ich zurück an Kenia, so fallen mir sofort die in den Teeplantagen arbeitenden Frauen ein. Sie arbeiten wahnsinnig hart für einen Hungerlohn und können ihre Familien davon kaum ernähren.
Blogpost Tee aus Kenia -> Klick

Ziel 2 -> Nein

2000: 83 %
2015: 91 %

Noch immer gehen 9 % der in Entwicklungsländern lebenden Kinder nicht in eine Grundschule.
Während meiner Aufenthalte in Ostafrika war es keine Seltenheit, dass ich Kinder auf den Straßen spielen sah, die im Grundschulalter waren. Jedoch vertraten ihre Familien den Standpunkt, dass Bildung nicht wichtig sei oder sie hatten nicht genügend Geld um Schulsachen für ihr Kind zu kaufen.

Ziel 3 -> Teilweise

Beispiel Südasien:
1990 kamen auf 100 Jungen in der Grundschule 73 Mädchen.
2015 sind es auf 100 Jungen 103 Mädchen.

Auch ich hatte den Eindruck, dass viele Mädchen zur Schule gehen. Teilweise waren in den Klassen sogar mehr Mädchen als Jungen.
Doch wie sieht es mit der tatsächlichen Gleichberechtigung der Frau aus? In vielen Entwicklungsländern werden Frauen immer noch benachteiligt und haben kaum Mitspracherechte. In Ägypten arbeiten vorrangig die Männer. Malala Yousafzai kämpft für die Rechte der pakistanischen Mädchen und Frauen. Männer verdienen mehr als Frauen in der selben Berufsbranche.
Dies sind alles Beispiele dafür, dass die Gleichberechtigung der Frau immer noch nicht erreicht werden konnte.

Ziel 4 -> Ja

Referenzgröße 1990: 12,7 Mio.
2015: 6 Mio.

Die Sterblichkeit unter 5-Jähriger sollte um 2/3 gesenkt werden. Dieses Ziel wurde auch erreicht. Vor allem Masern-Impfungen konnten dazu beitragen, dass Neugeborene nicht tödlich erkrankten.
In Kenia besuchte ich 2014 ein Krankenhaus. Hier wurden die Mütter darauf aufmerksam gemacht, ihre Kinder vorsorglich gegen verschiedene Krankheiten impfen zu lassen.
Blogpost Kenia -> Klick



Ziel 5 - > Nein

Referenzgröße 1990: 380 gestorbene Mütter auf 100.000 Lebendgeborene
2013: 210 gestorbene Mütter auf 100.000 Lebendgeborene

Die Müttersterblichkeit sollte um drei Viertel gesenkt werden. Das Ergebnis der statistischen Daten entspricht aber nur einer Senkung um etwas mehr als einem Viertel.
In dem o.g. kenianischen Krankenhaus wurde in den Vormonaten des August 2014 keine gestorbene Mutter verzeichnet. Jedoch ist die Müttersterblichkeit in Regionen ohne Krankenhausnähe hoch, da eine Geburt unter unhygienischen Bedingungen und ohne geschultes Krankenhauspersonal stattfindet.

Maternal Death = 0

Ziel 6 -> Teilweise

Natürlich ist es unmöglich, Krankheiten in 15 Jahren zu stoppen. Doch es ist möglich etwas dafür zu tun, dass neue Infektionen ausbleiben.
Die Zahl der Neuinfektionen von HIV sank um ca. 40 %.
Moskitonetze und Impfungen, sowie Nachbehandlungen bei Erkrankungen retteten Millionen Leben. Verbesserungsbedarf besteht dennoch, da Menschen in ländlichen Regionen oftmals keinen Zugang zur medikamentösen Versorgung erlangen.

Ziel 7 -> Teilweise

Das Erreichen dieses Ziels ist schwer zu beurteilen. Einerseits hat sich viel im Umweltschutz getan. Auch Entwicklungsländer versuchen möglichst umweltschonend zu handeln. Trotzdem arbeiten sie häufig nach Methoden, die die Umwelt gefährden, wie zum Beispiel beim Anbau der Rosen in Kenia.
Sie sind teilweise dazu gezwungen, da ihre Existenz von der Wirtschaft abhängt. Im Großen und Ganzen kann man aber, wenn auch minimal, Erfolge im Umweltschutz sehen.
Blogpost Rosen aus Kenia -> Klick

Ziel 8 -> Ja

Gelder für Entwicklungshilfe
2000: 81 Billionen US-$
2015: 135 Billionen US-$

Hierüber lässt sich diskutieren, ob die Gelder auch wirklich die Menschen erreicht haben, die berechtigt wären, die Gelder zu empfangen. Kurz gesagt: Die Zahlen besitzen kaum Aussagekraft. Denkt man optimistisch und nicht realistisch, so bedeuten 135 Billionen US-$ für die Entwicklungsländer eine enorme Hilfe.

Durchbruch des Internets
2000: 6 %
2015: 43 %

Spekulationen sind auch gegeben, wenn es darum geht, welchen Einfluss das Internet auf die Bevölkerung von Entwicklungsländern hat. Bezieht man sich in seinen Überlegungen auf das Positive, so trägt das Internet natürlich deutlich zur globalen Vernetzung bei.


Fazit:

3 x Ja
3 x Teilweise
2 x Nein

Das Ergebnis ist meiner Meinung nach für einen Zeitraum von nur 15 Jahren angemessen. Verbesserungen, sowie das Vermeiden von Verschlechterungen sollten angestrebt werden.
Es ist dennoch erschreckend, dass heutzutage immer noch wahnsinnig viele Kinder aufgrund von extremem Hunger sterben müssen. "Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordert." Quelle: www.un-kampagne.de

Quellen: www.oxfam.de, www.un.org

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