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Mehr Geld hilft mehr - Sind Spenden wirklich sinnvoll?

Mehr Geld hilft mehr

Wenn wir spenden, tun wir etwas Gutes. Das ist wohl der Grundgedanke desjenigen Menschen, der glaubt, er könne die Welt ein Stück weit verbessern, indem er z.B. eine soziale Einrichtung mit seiner Geldspende unterstützt.
Doch definiert sich "etwas Gutes tun" wirklich nur über Geld? Falls ja, wie kann ein materielles Gut, die Welt so derart verbessern? Falls nein, welche Möglichkeiten gibt es stattdessen?

Geld dient zur Sicherung der eigenen Existenz. Kurz gesagt: Es spielt eine wichtige Rolle im Leben eines jeden Menschen. Egal ob man im Besitz von viel Geld oder gar keinem ist, es beeinflusst uns.
Nun gibt es die Möglichkeit, bedürftigen Menschen, finanziell unter die Arme zu greifen. Das bedeutet nichts anderes, als mit einem Geldbetrag dafür zu sorgen, dass der Bedürftige z.B. eine warme Mahlzeit pro Tag bekommt oder medizinisch versorgt wird. Organisationen machen in Zeitungen, Radio und TV regelmäßig darauf aufmerksam, dass eine Geldspende sogar Leben retten kann. Dabei kommen Fotos und Videos zum Einsatz, die teilweise die Realität zeigen, aber mit Absicht möglichst dramatisch wirken sollen. Die Organisation möchte schließlich so viele Gelder wie möglich erhalten.
Doch wofür wird das gespendete Geld wirklich verwendet? Kommt es bei den Menschen an, die die besagte Hilfe benötigen?

Beispiel: Spende für die Ernährungssicherung in einem afrikanischen Staat

Die Organisation "Oxfam" bietet dies u.a. für Burundi an. Man füllt einfach das Online-Formular aus und gibt seine Bankverbindung, sowie den Geldbetrag an, den man bereit ist zu spenden.
Fertig! Schon fließt das Geld nach Burundi, wo eine Familie mit Essen versorgt wird und die kleinen Kinder für eine Zeit lang nicht mehr hungern müssen oder etwa doch nicht?

Quelle: www.oxfam.de

Tatsächlich ist es so, dass vom gesamten Spendebetrag natürlich auch die Arbeit der Organisation durch ihre Angestellten, finanziert werden muss.
Bei einem gespendeten Betrag von 50,00 € würden Burundi entsprechend des Diagramms also nur 29,00 € für die Nothilfe erreichen (entspricht 58 %). 
Besser als nichts, könnte man jetzt denken, aber gelangt das Geld auch wirklich zu den Bewohnern des Landes, für die es bestimmt war?
Die Antwort lautet: in den seltensten Fällen.
Entwicklungsländer leiden unter Korruption, was dazu führt, dass die Gelder die Bedürftigen leider kaum erreichen und zu einer Verbesserung der Lebenssituation führen können. Statistiken liefern Ergebnisse, die nachweisen, dass ca. 2/3 aller Spenden "versickern" und das Leid somit nicht mildern können.
Selbst wenn wir Deutsche für eine einheimische, soziale Einrichtung spenden, wird ein bestimmter Betrag nicht die Bedürftigen erreichen, sondern für die Verwaltung oder Investitionen genutzt werden. Ob die gewünschten Empfänger davon wirklich profitieren können, ist fragwürdig. Bessert sich ein Leben, nur weil die soziale Einrichtung, in der ein Bedürftiger lebt, saniert wird, er mal ein Eis essen geht oder zum Baden an einen See fahren kann? 
Man kann ihm somit für kurze Zeit eine Freude bereiten, aber man wertet damit sein Leben nicht nachhaltig auf. Dies gilt ebenso für Entwicklungsländer.

Was kann man stattdessen tun?

Hilfe zur Selbsthilfe oder gezielte Sachspenden sind die Stichworte.
Wenn man einer afrikanischen Frau im ruralen Kenia zeigt, wie sie Mangos anbauen und diese auf dem Markt verkaufen kann, dann trägt man deutlich mehr dazu bei, ihr Leben nachhaltig zu verbessern. Sie verdient nun Geld mit dem Verkauf des Obstes und kann die Existenz ihrer Familie damit sichern.
Schenke ich Kindern im Kinderheim Kleidung und Spielsachen, dann verbessere ich ihr Leben nachhaltig, denn sie haben Kleidungsstücke, die sie nicht nur ein einziges Mal tragen, sondern mehrmals und Spielsachen, an denen sie sich erfreuen können, so oft sie möchten.

Fazit

Jemand, der Geld spendet und damit meint, dass es Lebensbedingungen sofort verbessern wird, ist im Irrtum. Sollte das Geld tatsächlich die gewünschten Empfänger erreichen, so ist es nicht selbstverständlich, dass sie davon auch einen erheblichen Nutzen haben werden. Man kann sich einfach nicht darauf berufen, dass das Leid nur mit Hilfe von Geld gemindert werden kann.
Ich sah Kinder an Kenias Straßen, die um Wasser bettelten; Kinder, die sich 7 Tage in der Woche nur von Gemüse und Maisbrei ernähren mussten, weil Fleisch oder sonstige Tierprodukte viel zu teuer sind; Kinder mit Kwashiorkor-Bäuchen (die bekannten Hungerbäuche).
Doch im Zusammenhang mit all diesen Begegnungen in Afrika erwähnte niemand das Wort "Geld".


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